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"Er bellte noch lange hinterher"
Kriegsende '45:
Wie habt ihr, du und die anderen Kinder den Krieg erlebt?
Ich bin im März 1945 neun Jahre alt geworden. Ich war der Jüngste in der Familie. Mein Bruder war schon ein paar Jahre lang beim Jungvolk. Er hatte eine schöne rotweiße Schnur, die zeigte, dass er Jungenschaftsführer war. Ich war ganz begeistert und konnte es kaum erwarten selbst dorthin zu kommen. Im März wollte ich mich am liebsten noch freiwillig zum Jungvolk melden, um auch noch für Deutschland kämpfen zu können. Die meisten Jungen im Dorf waren eher fasziniert als erschreckt von Militär und Krieg. Besondere Faszination ging von Kampfflugzeugen und Panzern aus. Was geschah zu der Zeit im Angesicht des Krieges in deinem Dorf? In Pfeffingen waren ein paar Mal Soldaten während Manövern einquartiert und es wurden auch einige Menschen in unser Dorf evakuiert, da die Chance von einem Anschlag getroffen zu werden geringfügiger war als in einer größeren Stadt, da natürlich auf Orte gezielt wurde, in denen mehr Menschen lebten. Was haben deine Eltern vor dem Krieg beruflich gemacht? Meine Eltern besaßen eine kleine Textilfabrik in Pfeffingen, einem Dorf in der Nähe von Hohenzollern auf der schwäbischen Alb. Veränderte sich diese Arbeitsstellung, als der Krieg begann oder während des Krieges? Anfang 1941 wurde mein Vater mit 40 Jahren eingezogen und war dann als Sanitäter von Frühjahr bis Herbst in Ostpolen, wo er im Juni 1941 den deutschen Angriff auf die Sowjetunion miterlebte. Im September durfte er zurück, weil unser Betrieb "kriegswichtig" war, das heißt, es wurden Millitärhemden, Trainigsanzüge und warme Unterwäsche für Soldaten hergestellt. Mein Vater arbeitete bis Kriegsende als Sanitäter in einem Lazarett in Tübingen und durfte jedes zweite Wochenende nach Hause kommen, um im Betrieb nach dem Rechten zu sehen. Waren deine Eltern überzeugt vom Krieg und seiner Idee? Ja, mein Vater war überzeugtes Parteimitglied und 1939 aus der Kirche ausgetreten. Hast du noch ein oder mehrere besondere Erlebnisse aus dem letzten Kriegsjahr in Erinnerung ? Im letzten Kriegsjahr flogen alle paar Tage 8 amerikanische Jagdbomber über unser Dorf, die manchmal auf Fahrzeuge und in anderen Dörfern auch auf Menschen schossen. Sie warfen Flugblätter ab, auf denen stand: "Wir sind die lustigen 8, wir kommen bei Tag und bei Nacht"
Beschreibe die Situation in den letzten Monaten des Krieges
Ende April sagte mein Vater, dass die französischen Soldaten kommen werden und dass wir in den Wald gehen werden, um uns zu verstecken, und uns eine Hütte bauen werden, um da eine Weile zu bleiben. Was ihr dann auch gemacht habt....? Ja, wir bauten uns eine Hütte aus Zweigen und Ästen, so, wie viele andere aus dem Dorf es auch taten. Wir nahmen die wichtigsten Dinge wie Essen und Sachen zum Schlafen mit, um einige Nächte dort verbringen zu können. Ich weiß nicht mehr, ob wir eine oder mehrere Nächte in dieser Waldhütte geschlafen haben. Besonders schlimm war, dass wir unseren Hund Hektor nicht mitnehmen konnten. Er bellte noch lange hinterher und ich hatte Angst, ihn nie wieder zu sehen. Was geschah dann? Bald darauf zog das französische Militär in unser Dorf ein. Schon Tage vorher hörte man den Beschuss durch Artillerie und Panzer. Unter den französischen Soldaten waren viele Marrokaner. So sah ich zum ersten Mal Menschen mit brauner Hautfarbe. Ich erinnere mich, wie manche von ihnen in die Gärten rannten und mit ihren Stahlhelmen nach den Hühnern warfen, sie dann packten, ihnen den Hals umdrehten und sie mitnahmen, um sie zu schlachten. Zu uns Kindern allerdings waren die Franzosen freundlich und gaben uns Süßigkeiten zu essen.
Das Kriegsende und wie es weiterging...
Wie hast du den 8. Mai erlebt?
Am 8. Mai hat der Ausrufer (Dorfbüttel) im Ort die deutsche Kapitulation mit folgenden Worten bekannt geben müssen : "Die ganze Welt feiert den Sieg der Nationen!" Ich saß auf der Mauer eines Dunghaufens (schwäb.: Miste) und war todtraurig, dass Deutschland den Krieg verloren hatte. Wie ging es kurz nach Deutschlands Kapitulation weiter? Etwa 200 französische Soldaten blieben dann etwa 3 Monate lang in unserem Dorf und wir hörten jeden Morgen und Abend ihren Zapfenstreich und auch ihre Nationalhymne, die Marseillaise. Bald darauf hieß es im Dorf, die Besatzungsmächte würden 21 Jahre lang in Deutschland bleiben, das machte mich noch einmal sehr traurig und ich dachte: "Das ist ja mein halbes Leben lang." Wann wurde dir bewusst, wie schlimm Hitlers Regime und der ganze Krieg eigentlich waren? In den Jahren nach dem Krieg habe ich allmählich erfahren und begriffen, wie schrecklich der Krieg war für alle Völker, die Hitler überfallen hatte, und welch schreckliche Verbrechen durch die Deutschen vollbracht worden sind. von Hannah S. Die Bilder sind alle aus privaten Fotoalben. (Auf dem ersten Bild ist mein Vater der in der Mitte, auf dem zweiten nur er und auf dem dritten er rechts und links sein damals bester Freund.) | |||||||||||||